„DN Verifi” soll helfen, hohe Mitarbeiterfluktuation zu bekämpfen. Dazu werden Namen und Bilder missliebiger Mitarbeiter/innen veröffentlicht. Denunziert wird, wer ohne ordentliche Kündigung geht, wer die Firma bald nach einer Schulung verlässt, wer den Arbeitsvertrag nicht einhält oder Prozesse des Arbeitgebers ignoriert. Auch Bewerber/innen können sich für die schwarzen Listen qualifizieren, indem sie ihren Lebenslauf schönen, nicht überprüfbare Referenzen vorlegen oder den Vorstellungstermin versäumen.
Offshore-Entwicklung soll bis zu 70% „günstiger” sein. Dabei wird gerne auf die niedrigen Einkommen der IT-Worker in Indien, China und Vietnam verwiesen. Aber Löhne sind nicht alles. Mehr oder weniger verdeckte Kosten werden gerne übersehen.
Auch wenn von interessierter Seite immer wieder anderes behauptet wird, so gibt es doch auch bei den indischen IT Workern erste Organisationsansätze. In diesem Beitrag sind Links von Berufsvereinigungen und Gewerkschaften sowie Weblogs aus Indien zusammengestellt.
Wer kennt sie nicht, die kundenspezifischen Profile? Natürlich kann ich, was der Kunde braucht! Das heißt Kundenorientierung. In Bewerbungstrainings können wir lernen, wie unser Lebenslauf verändert werden muss - je nach dem für welche Firma er passen soll. In Indien ist das nicht anders. Von einigen großen IT-Dienstleistern wird das dort jetzt gegen die Beschäftigten gewendet. Fakes im Lebenslauf dienen als Vorwand für Entlassungen. Doch damit nicht genug: Wer sein Profil oder seinen Lebenslauf zu auffällig geschönt hat, landet auf einer Schwarzen Liste. Sie/er soll auch anderswo keine Chance mehr haben.
Das berichten indische Kolleginnen und Kollegen (siehe www.workexp.com).
Mitarbeiter/innen, die keinen Feierabend kennen, die nie auf die Uhr schauen, die weder Privatleben noch Urlaub brauchen, die jeden Auftrag ausführen, die nie widersprechen, die an jedem Ort der Welt einsetzbar sind, die Cobol genauso gut beherrschen wie C, C++ und Java - welcher IT-Manager könnte da widerstehen. Es gibt sie tatsächlich und sie sind nicht einmal teuer, die indischen Software-Entwickler/innen. Und das Schöne ist: Die können gar nicht anders, sie können nicht über den Schatten ihrer Kultur springen. Nur manchmal, da übertreiben sie es, da hätten sie dann doch mal etwas sagen können. Und jetzt kommen auch noch Soziologinnen und Soziologen aus Bangalore daher und behaupten, dass der Inder als solcher gar nicht so ist, und dass auch indische Entwickler/innen nicht nur willige Techno-Kulis sind.
Gemeint sind hier die indischen IT-Dienstleister. Diese produzieren Software nach Fabrikmethoden, sie sind bekannt für die Qualität ihrer Prozesse. Nirgendwo werden so viele CMMI 5 Zertifikate ausgestellt wie in Indien. Die Akzeptanzbeschaffer/innen von Export-IT führen den Erfolg der indischen Unternehmen auf diese ausgeprägte Prozessorientierung zurück. Das niedrige Lohnniveau und die langen Arbeitszeiten geraten dabei aus dem Blickfeld. Soziologinnen und Soziologen aus Bangalore haben eine andere Sicht. Sie lassen sich nicht vom schönen Schein der heilen Prozesswelt blenden. In ihrer Studie aus dem Jahr 2006 analysieren Carol Upadhya und A.R. Vasavi die realen Herrschafts- und Kontrollmechanismen bei den großen indischen IT-Dienstleistern.
Am 8.März fand auf der CeBIT das 3.Expertenforum des Projektes Export-IT statt. “Der IT-Standort Deutschland ist gefährdet” erklärt der Soziologe Dr. Andreas Boes. Eine “nachhaltige Internationalisierung” soll dem Kostendruck durch die Globalisierung standhalten helfen. Die IT-Unternehmen sollen die Globalisierung als strategische Herausforderung annehmen, ihre Produkte und Leistungen “intelligent” standardisieren, sich konsequent auf Prozesse als Basis für kontinuierliches Lernen orientieren, die Partnerbeziehungen im Ausland stabil und “auf Augenhöhe” gestalten und die Mitarbeiter ins Zentrum erfolgreicher Internationalisierungsstrategien stellen.
“Hoher Arbeitsdruck und unzureichende Erholung bei der Projektarbeit sind die Ursachen dafür, dass IT-Fachleute häufiger als andere Berufsgruppen von Stress und Burnout betroffen sind. … 67 Prozent der Projektmitarbeiter verzichten immer oder oft bei Überlast auf Pausen, 55 Prozent schränken für den Job ihre Freizeitaktivitäten ein, weitere 29 Prozent tun das zumindest ‚manchmal’. Weit über dem Durchschnitt sind sie von Müdigkeit, Nervosität, Schlafstörungen und Magenschmerzen betroffen.” (Pressemitteilung DIWA-IT vom 8.2.08 )
Es gibt sie, die älteren Softwareentwickler/innen – vor allem in der Arbeitslosenstatistik. Wolfgang Hien ist es gelungen zwölf Frauen und Männer aufzutreiben, die noch in der Entwicklung arbeiten. Diese hat er befragt. Sie berichten von hoher psychischer Belastung, permanentem Zeitdruck und Selbstüberforderung; von Jugendkult und Desinteresse an ihrem Erfahrungswissen; von Managern, die keine Verantwortung mehr übernehmen. Sie berichten auch von psychischen Erkrankungen, Erschöpfungsdepressionen und Verbitterung.