1.4 Theorie und Praxis

Die Industrialisierung basiert auf vielfältigen Maßnahmen; dazu gehören Trennung von Planung und Ausführung, hochgradige Arbeitsteilung, Leistungslohn, Fließ(band)-Fertigung, standardisierte Produkte, Gruppenarbeit, Zulieferung von Komponenten und laufende Qualitätsverbesserung. Nicht alle Maßnahmen passen zusammen; so ist Gruppenarbeit normalerweise mit einer Reduktion der Arbeitsteilung verbunden. Maßnahmen werden zu Konzepten gebündelt. Diese Konzepte wirken auf die realen Abläufe ein, sind aber nie mit diesen identisch.

„Die tatsächliche Funktionsweise der Produktionssysteme weicht von derjenigen, die ihnen unterstellt wird, grundlegend ab. Unterstellt wird eine beherrschte, nach oben transparente und damit überschaubare Produktion mit optimalen Verfahren und Abläufen. In Wirklichkeit funktionieren die Systeme ‚irgendwie‘, die tatsächlichen Funktionsweisen sind nicht genau bekannt.“ (Bullinger et al.,1999)

Die realen Abläufe werden von Menschen gestaltet. Konzepte können zu allgemein, lückenhaft, falsch oder auch menschenfeindlich sein. Arbeiterinnen und Arbeiter unterlaufen die Konzepte – manchmal retten sie dadurch die Produktion, manchmal leisten sie damit Widerstand. Konzepte verbrauchen sich: Anfängliche Begeisterung über Beteiligungschancen verflüchtigt sich; die Beteiligten merken, dass ihre Interessen immer wieder zu kurz kommen. Das Management reagiert mit immer neuen Konzepten. Die Arbeiterinnen und Arbeiter lernen mit diesen umzugehen. Wir haben es mit einer ständigen Auseinandersetzung zu tun.

weiter

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: