IT-Standort Deutschland gefährdet – Export-IT hilft!

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Am 8.März fand auf der CeBIT das 3.Expertenforum des Projektes Export-IT statt. „Der IT-Standort Deutschland ist gefährdet“ erklärt der Soziologe Dr. Andreas Boes. Eine „nachhaltige Internationalisierung“ soll dem Kostendruck durch die Globalisierung standhalten helfen. Die IT-Unternehmen sollen die Globalisierung als strategische Herausforderung annehmen, ihre Produkte und Leistungen „intelligent“ standardisieren, sich konsequent auf Prozesse als Basis für kontinuierliches Lernen orientieren, die Partnerbeziehungen im Ausland stabil und „auf Augenhöhe“ gestalten und die Mitarbeiter ins Zentrum erfolgreicher Internationalisierungsstrategien stellen.

Sind das nicht sattsam bekannte Phrasen und Ratschläge aus der Beraterbranche? Ja und nein. Die Soziologinnen und Soziologen von Export-IT sprechen sich gegen Offshoring allein zur Senkung der Kosten aus, sie sagen auch deutlich, dass das Modell der verlängerten Werkbank nicht tragfähig ist.

Wie aber sollen wir Mitarbeiter/innen für Standardisierung und Prozessorientierung gewonnen werden? Warum werden diese als „best practices“ propagiert? Ein Blick in das dritte Arbeitspapier des Projektes hilft da weiter. Viele indische IT-Unternehmen sind CMMI-zertifiziert, oft auf Level 5. Dieses Level sieht laufende Prozessverbesserungen vor. In ihren empirischen Studien haben die Forscher/innen mit Managern und ausgewählten Mitarbeitern indischer Firmen gesprochen. Sie kamen zum gleichen Ergebnis wie die CMMI Prüfer. Ganz begeistert konstatieren sie „Lernschleifen“ dank konsequenter Prozessorientierung. Ja, die Prozessen werden gelebt und ständig verbessert. Das wird hierzulande den Kunden auch erzählt. Mit etwas kritischer Distanz sieht das anders aus: Nicole Mayer-Ahuja und Patrick Feuerstein vom SOFI Göttingen untersuchen die Mitarbeiterfluktuation bei indischen Unternehmen. Das Management einer dieser Firmen berichtet stolz, dass eine „Ressource“ dank ausgereifter Prozesse problemlos innerhalb von drei Wochen ersetzt werden könne. Die Mitarbeiter/innen derselben Firma dagegen berichten, dass jede Kündigung zu Verzögerungen und Überstunden führt. So kennen wir das auch: Die Prozesse sind das eine und das reale Leben das andere. Mayer-Ahuja/Patrick Feuerstein zeigen übrigens auch, dass der Prozesswahn unsere indischen Kolleginnen und Kollegen genauso nervt wie uns.

Die „nachhaltige Industrialisierung“ von Export-IT könnte zum „Akzeptanzbesorger“ für die Verlagerung unserer Jobs und die Industrialisierung der Softwareentwicklung werden. Darauf deutet schon die Verwendung des positiv besetzten Begriffes der Nachhaltigkeit hin.

„Nachhaltigkeit meint dabei, dass die Internationalisierungsstrategien langfristig zu einer Steigerung der Wertschöpfung beitragen und dabei möglichst alle beteiligten Partner (Anbieter, Kunden, Beschäftigte etc.) von den neuen Möglichkeiten internationaler Kooperation profitieren können.“ (Export-IT, Arbeitspapier 2,s.5)

Bei der Diskussion auf dem Expertenforum stand durchgängig der Erfolg der Unternehmen im Vordergrund. Die vor wenigen Tagen angekündigte Allianz zwischen T-Systems und Cognizant und der angedrohte „Personalabbau“ wurden kurz angesprochen. IG Metall und Ver.di fiel dazu nichts besseres ein als „Beteiligung“ (des Betriebsrates und der Gewerkschaften) und „Qualifizierung“. Aber Qualifizierung wofür, wenn auch die „höherwertigen“ Tätigkeiten verlagert werden? Das Expertenforum konnte keine Antwort geben.

In den Veröffentlichungen von Export-IT wird immer wieder betont, dass eine erfolgreiche Internationalisierung ohne unsere aktive Mitwirkung nicht möglich ist. Dessen sollten wir uns immer bewusst sein.

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2 Antworten to “IT-Standort Deutschland gefährdet – Export-IT hilft!”

  1. mustkass Says:

    Inzwischen hat Export-IT die Ergebnisse des Expertenforums dokumentiert und publiziert siehe http://export-it.de/img/content/080311_exportit_ap4.pdf

  2. “Wir arbeiten heute ganz anders” – Globalisierung und Industrialisierung bei SAP « Ressourcen rebellieren Says:

    […] Nach Siegele/Zepelin haben wir es mit einer Umbruchsituation zu tun. Wir leben nun mal in einer Welt, die das so mit sich bringt. Nur die Walldorfer SAP-Mitarbeiter/innen mit ihrer Lebensstellung sind unflexibel, sie ziehen nicht richtig mit. Ihnen fehlt die „positive Vision der Globalisierung“. So sehen das ja auch die Soziologen des Forschungsprojektes ExportIT. […]

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