Offshore-Entwicklung – die verdeckten Kosten

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Offshore-Entwicklung soll bis zu 70% „günstiger“ sein. Dabei wird gerne auf die niedrigen Einkommen der IT-Worker in Indien, China und Vietnam verwiesen. Aber Löhne sind nicht alles. Mehr oder weniger verdeckte Kosten werden gerne übersehen.

Beim Outsourcing von Programmierarbeiten in ein Niedriglohnland ist mit zusätzlichen Kosten zu rechnen:

  • Kosten für die Auswahl eines Lieferanten (Ausschreibungen, Reisekosten, Pilotprojekte, etc.);
  • Kosten für die Anpassung der eigenen Prozesse;
  • Kosten für die Änderungen und Erweiterungen der Aufwandschätzmodelle (dazu kommt ein erhöhtes Risiko von Fehlschätzungen in der Anfangsphase);
  • Kosten für den Knowhow-Transfer und die Einarbeitung (Zeit der internen und externen Mitarbeiter, Reisen, Dokumentation, etc.);
  • Schulungskosten (beliebt sind Schulungen zu kulturellen Differenzen);
  • erhöhte Kosten für Vertragsmanagement im internationalen Umfeld;
  • Kosten für genauere und ausführlichere Spezifikationen und deren Übersetzung;
  • Kosten für externe Mitarbeiter/innen vor Ort („Onsite“);
  • Kosten für geplante und ungeplante Reisen;
  • Telefonkosten (das ist kein Witz: Mitarbeiter/innen wurde schon untersagt nach Indien zu telefonieren);
  • weitere Lizenzkosten für (Entwicklungs-)Software abhängig vom Lizenzmodell;
  • Kosten für Kommunikationsinfrastruktur (Videokonferenzen, gemeinsamer Zugriff auf Daten, Sicherheit, etc.)
  • Kosten für das Ausbügeln von Missverständnissen auf Grund erschwerter Kommunikation (wenig direkte Gespräche, Zeitverschiebung, Sprache, kulturelle Unterschiede, andere Arbeitsorganisation, etc.);
  • Kosten für erhöhte Managementaufwände (Projekt- bzw. Teamleiter lokal und offshore, komplexere Koordination, etc.);
  • geringere Produktivität (z.B. wegen geringerer Erfahrung beim Lieferanten und Motivationsverlust bei den lokalen Mitarbeiter/innen);
  • Kosten durch längere Projektlaufzeiten (z.B. wegen erhöhten Abstimmungsaufwandes und schwergewichtiger Prozesse);
  • Absicherung länderspezifischer Risiken (politische Instabilität, Katastrophen, etc.);
  • Kosten für Umschulung und Weiterbildung der eigenen Programmierer/innen;
  • Mögliche Entlassungen eigener Mitarbeiterinnen, der Arbeit ausgelagert wurde, sollten auch nicht umsonst zu haben sein.

Manche Betriebsräte steigen in eine Kostendiskussion mit dem Management ein. Damit tragen sie als Co-Manager vielleicht zu einer Kostenoptimierung für das Unternehmen bei. Den Mitarbeiter/innen ist damit aber nicht geholfen. Offshoring bezweckt oft gar nicht die unmittelbare Kostenreduktion. Manager machen es, weil andere es machen, weil der Kunde es erwartet, weil Rating-Agenturen das positiv bewerten. Offshoring hilft auch dabei, gegen die eigenen Mitarbeiter/innen eine Drohkulisse aufzubauen. Schön gerechnet wird das dann immer.

Wenn wir unser Management mit den verdeckten Kosten konfrontieren, dann können wir die dreistesten Lügen aufdecken. Vielleicht können wir etwas in den Köpfen unserer Kolleginnen und Kollegen bewegen. Vielleicht merken sie, dass sie einige der Kosten beeinflussen können.

Siehe auch:

http://web.mit.edu/outsourcing/CIOmagazine-hiddencosts.htm
http://www.bitkom.org/files/documents/BITKOM_Leitfaden_Offshoring_31.01.2005.pdf

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