4.4 Auswirkung auf IT-Worker

Wenn wir bei Laune bleiben und weiterhin unser Bestes geben, müssen wir auch die Konsequenzen (er)tragen.

Der Zusatzaufwand wächst, wenn wir alle gewünschten Metriken liefern, immer öfter eben mal schnell ein Excel-Sheet ausfüllen. Arbeitsberichte und die Stundenbuchungen, bzw. die Zuordnung von Aufwänden zu Tätigkeiten, werden detaillierter. Irgendwelche Tools erfordern Eingaben, die unsere Arbeit nachvollziehbar machen sollen. Es reicht nicht, trotz der ausufernden Prozesse brauchbare Ergebnisse zu liefern – wir müssen auch noch Prozesskonformität simulieren. Das eine oder andere Dokument erstellen wir nur, um ein Quality-Gate zu passieren und nervigen Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Die Kluft zwischen tatsächlicher und kommunizierter Arbeit wächst.

Da die Prozesslandschaft üblicherweise weder ausgereift noch konsistent ist, die Prozesse oft einer kundengerechten Vorgehensweise widersprechen und das Budget sowieso nie ausreicht, sind wir laufend gezwungen konfligierende Anforderungen auszutarieren. Nicht ausgereifte Standards machen uns das Leben zusätzlich schwer.

Das Management meint uns beliebig zerteilen zu können: 40 % für Projekt A, 60 % für Projekt B, 10% Projekt C, dazu noch die Betreuung von einigen Altlasten und zwischendurch ein Angebot erstellen oder beim Kunden glänzen. Einarbeitungs- und Umstellungszeiten sind nie erforderlich. Markus Völter spricht vom „Plug and Play Programmer“ . Permanente Überlastung ist die Folge. Unbezahlte Überstunden sind die Regel, Gehaltserhöhungen die Ausnahme.

Dass auch unsere Gesundheit beeinträchtigt wird, bestätigt eine Untersuchung des Instituts Arbeit und Technik (IAT) aus dem Jahre 2006:

„Wissensarbeit im IT-Bereich ist keineswegs so gesund, wie lange Zeit vermutet. Widersprüchliche Arbeitsanforderungen, überlange Arbeitszeiten und Leistungsdruck machen zunehmend mehr IT-Spezialisten krank.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den untersuchten Softwareentwicklungs- und -beratungsprojekten litten bis zu viermal häufiger unter psychosomatischen Beschwerden wie chronischer Müdigkeit, Nervosität, Schlafstörungen und Magenbeschwerden als der Durchschnitt der Beschäftigten in Deutschland.“ (Latniak, Gerlmaier 2006)

Das IAT fordert „Maßnahmen auf der Organisations- und Führungsebene der Unternehmen“. Das Management müsse „für solche Fragen eine entsprechende Sensibilität oft erst entwickeln“. Zur „Problemsensibilisierung“ könnten „Schulungen der Führungskräfte“ und „Workshops zum Arbeits- und Erholungsmanagement“ beitragen. Wer’s glaubt, kann Berater werden.

weiter

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: