5 Was können wir tun?

In vielen IT-Unternehmen ist das Offshoring in vollem Gange. Uns Entwickler/innen wird angedroht, dass wir keine Zukunft haben, wenn wir nicht mitspielen. Wir sollen uns auf „höherwertige“ Tätigkeiten konzentrieren wie Design, Architektur und Projektleitung. Wir sollen die indischen Kolleginnen und Kollegen „steuern“. Wir sollen werden wie unsere Chefs. Auch wir verlieren unsere technischen Fähigkeiten, wenn wir nicht mehr selbst in die Tasten greifen. Wer nicht mitmachen will, wechselt die Firma und stößt dort nur allzu oft auf eine vergleichbare Situation. Bleibt ein Ausweg zwischen Flucht und Anpassung?

Die große kollektive Verweigerung ist noch ein Traum. Utopisch wirkt die Idee, alle Software als Open Source zu entwickeln, selbstorganisiert und international. Wie Träume wahr und Utopien Realität werden – darüber nachzudenken lohnt sich allemal, aber das ist ein Thema für sich.

Trotzdem müssen wir nicht alles mitmachen. Gegen vertikale Arbeitsteilung setzen wir ganzheitliche Tätigkeit im Team. Wir verteidigen nicht einzelne Tätigkeiten, sondern Produkte und Anwendungen. Das Wissen ist in unseren Köpfen gut aufgehoben. Wissen ist auch in diesem Fall Macht. Dem Management ist das sehr wohl bewusst: Wenn es ihm gelingt, auf breiter Front die „niedrigwertigen“ Tätigkeiten auszulagern, ist es ein Leichtes, den Schnitt höher anzusetzen. Wenn aber nur Anwendung A vollständig ausgelagert ist, ist für den nächsten Schritt, die Auslagerung von Anwendung B, noch nicht viel gewonnen. Die Machtverhältnisse sind nicht grundlegend zugunsten des Managements verschoben. Information Hiding kennen wir aus der objektorientierten Programmierung, es kann auch als Prinzip für unser eigenes Verhalten wertvoll sein.

Gegen die Etablierung von hierarchischen Arbeitsbeziehungen setzen wir die internationale Solidarität:

  • Wir informieren uns und unsere Kolleginnen und Kollegen über Indien und die Arbeitsverhältnisse dort. Wir teilen die üblichen Stereotype nicht, sondern schauen genauer hin. Den Blick schärfen kann die Filmreihe „Coding Culture“.
  • Den indischen Entwickler/innen gefällt die vertikale Arbeitsteilung auch nicht. Oft fühlen sie sich als „Technokulis“ ausgenutzt. Alle auch noch so kleinen Schritte in Richtung ganzheitlicher Tätigkeiten liegen im gemeinsamen Interesse. Wer sucht, findet Möglichkeiten die offizielle Arbeitsteilung zu unterlaufen: Statt „Design hier und Codierung dort“, könnte es heißen „Komponente A hier und Komponente B dort“.
  • Der Zahlen- und Prozesswahn trifft unsere indischen Kolleginnen und Kollegen oft noch härter als uns. Mit CMMI Level 5 wird die Kontrolle perfektioniert. Der Austausch von Tipps und Tricks zum kreativen Überleben in der Prozesswelt hilft uns allen.
  • Wir tragen die Personalisierung von Problemen nicht mit, sondern verweisen penetrant auf den falschen Ansatz der verlängerten Werkbank. Aus Managementsicht stimmt das System, die einzig denkbare Fehlerquelle liegt bei den ausführenden Personen. Die müssen dann ausgetauscht werden.
  • Uns fällt es extrem schwer Aufgaben von Kolleginnen und Kollegen zu übernehmen, wenn diese Opfer von Willkürmaßnahmen wurden. In der Arbeiterbewegung gehörte es einmal zu den grundlegenden Benimmregeln, nicht den Platz eines geschassten Kollegen einzunehmen.

Das sind nur ein paar Beispiele. Grundsätzlich geht es darum, der Abwärtsspirale eine Aufwärtsspirale entgegenzusetzen. Dazu bedarf es der gegenseitigen Unterstützung. Die Kommunikation über das Internet bietet die Möglichkeiten, erste Ansätze sind vorhanden.

Siehe NetzwerkIT und Organisationen indischer IT Worker

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