5.2 Selbstorganisation

Was tun wir im Arbeitsalltag, wenn es uns stinkt, wenn wir die Schnauze voll haben? Wir programmieren schlampig, vergessen den einen oder anderen Fehler abzufangen, implementieren Vorgaben ganz wortgetreu, oder formulieren Konzepte bewusst schwammig, bleiben länger in der Mittagspause, gehen pünktlich heim, beantworten Mails nicht, gehen nicht ans Telefon (wenn es der Chef ist), surfen extensiv (zum Beispiel nach Stellenangeboten), überlegen uns ganz genau, ob wir wirklich zuständig sind, generieren Fakes aller Art, füllen unsere Stundenzettel nicht oder ungenau aus, verspüren nun doch ein Kratzen im Hals, besprechen ausführlich die neuesten Gerüchte, planen intensiv den nächsten (Bildungs-) Urlaub und dergleichen mehr. Das kennen wir alle. Bloß hinterher ist alles genauso wie vorher – nichts ist besser. Warum? Weil das jede und jeder für sich macht und weil wir es versäumen, dem Management eine Information zukommen zu lassen, was es für uns tun kann.

Bewusste Reduktion von Arbeitszeit, -intensität und -qualität waren wichtige Kampfmittel der Arbeiter/innen während der Industrialisierung. Das nannte sich damals „Sabotage“ und „Go canny“ („es langsam angehen lassen“). Beamte kennen den „Dienst nach Vorschrift“. Auf unser Arbeitsfeld übertragen, heißt das „Prozesse einhalten“.

Es ist ein Gerücht, dass wir nur hinter unseren Computern sitzen und sozial verkrüppelte Individualisten sind. Kommunikation und Teamwork gehören zu unseren Kernkompetenzen. Einige Kolleginnen und Kollegen nutzen bereits das Internet, um sich auszutauschen und Widerstand zu organisieren. Gar nicht so wenige von uns sind Mitglied in einer Gewerkschaft. Selbst in kleinen Basisgewerkschaften schließen sich IT-Leute zusammen. In manchen Betrieben treffen sich Kolleginnen und Kollegen in mehr oder weniger informellen Gruppen.

Natürlich ist das noch zu wenig, aber immerhin ein Anfang. Erfahrungsaustausch ist wichtig. Welche Erfahrungen werden mit agilen Vorgehensweisen gemacht? Wie gehen wir mit Offshoring um? Was sind die ersten Anzeichen für Verlagerungen? Welche Aktionsformen bewähren sich? Nicht nur darüber lohnt es sich zu reden, mit Kolleginnen und Kollegen, nicht nur im eigenen Betrieb.

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Eine Antwort to “5.2 Selbstorganisation”

  1. Seneca Says:

    Hier hilft das Motto: Passt die Firma das Gehalt nicht meiner Arbeitsleistung an, muss ich eben meine Leistung dem Gehalt anpassen. 😉

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